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Ewa Herzog

“Über Frauen und Spitze” – Interview mit Ewa Herzog

Wie schon auf hunderten Blogs angekündigt: Ja, nächste Woche findet hier in Berlin die Fashionweek statt.  Alle Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und auch wir stecken natürlich mitten in den Planungen und es steht uns ein straffes Programm bevor. Auf eine Designerin haben wir dabei unser Auge geworfen: EWA HERZOG. Es gibt diese Designer bei denen man denkt, oh ja, schöne Sachen und dann die, bei deren Kollektion man bei jedem Teil komplett ausrastet, weil man es haben will. Wir lieben Spitze, Ewa auch, das ist wohl die beste Voraussetzung um zu unseren Lieblingsdesignern zu gehören. Feminine, wunderschöne Kleider, fair hergestellt und zeitlos, das ist Ewa Herzog. Trotz des Vorbereitungsstresses für ihre Show am nächsten Freitag im Mercedes-Benz Fashionweek Zelt hat sich Ewa die Zeit genommen, ein bisschen mit uns zu quatschen. Als angehende Modedesigner ist es immer spannend sich mit jemanden zu unterhalten, der bereits in der Modebranche Fuß gefasst hat und wenn dieser Jemand dann auch noch so sympathisch ist, macht es doppelt Spaß.

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Wir besuchen Ewas Atelier und Store in der Düsseldorfer Straße 75 hier in Berlin, genauso entspannt wie ihr Hund, den wir am liebsten direkt mitgenommen hätten, ist auch die Designerin selbst. Vom Fashionweek-Stress ist nichts zu spüren.

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Vanessa: Da wir selbst Modedesignstudenten sind, interessiert uns natürlich wie du angefangen hast, kannst du etwas über deine Ausbildung erzählen?

Ewa: Ich war an der AMD in Berlin. Es war natürlich stressig, aber auch sehr schön und ich hatte wirklich wunderbare Dozenten. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Was ich jetzt mache, habe ich auch ihnen zu verdanken weil ich gelernt habe, selbstständig zu arbeiten.

Vanessa: Als Modedesignstudent muss man sehr oft experimentell arbeiten. Manchmal fragen wir uns, was das mit der wirklichen Arbeit eines Designers zu tun hat.

Ewa: Das war bei mir im Studium ein Punkt, in dem ich viel kritisiert wurde, weil ich kommerziell bin. Ich war aber immer sehr stur (lacht). Ich mache einfach das, was man tragen kann und was ich schön finde. Experimentieren kann ich, wenn ich meine Mitarbeiter bezahlt und Geld verdient habe, dann ist Zeit für Kunst.

Irgendwann kommt dann vielleicht mal eine Ausstellung von mir, die heißt „Ewa Herzog – Wahnsinn“ (lacht).

Außerdem achte ich immer darauf, dass Kleidungsstücke lange halten und sowohl zeitlos sind, als auch hohe Qualität haben. Ich unterstütze diesen Trend nicht, jedes halbe Jahr was Neues zu kaufen. Das bin nicht ich. Ich möchte, dass Kleidungsstücke lange dienen, weil ich aus einer Familie komme, wo die Sachen immer weitergegeben wurden. Ich bin kein Wegschmeiß-Mensch. In meinem Kleiderschrank habe ich Sachen, die mittlerweile 15 oder 20 Jahre alt sind und wenn ich sie anziehe, fragen mich alle, wo ich sie gekauft habe. Es ist wichtig für mich, dass die Kundin, die meine Kleidung kauft, sich noch in 5 Jahren darüber freut, weil sie immer noch aktuell sind.

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Laura: Designst du für dich oder gibt es einen bestimmten Typ Frau, den du dir dabei vorstellst?

Ewa: Nein ich habe keinen Typ. Ich liebe Frauen, egal wie groß oder klein. Jede Frau hat etwas, womit sie mich begeistern kann. Wenn ich designe, sehe ich keine bestimmte Frau, sondern ich sehe Frauenkörper und ich glaube, wenn man Größe 34 bis 42 trägt, passen meine Sache jeder Frau.

Laura: War es immer dein Plan, dich selbstständig zu machen?

Ewa: Nein, ich bin da eher so reingerutscht. Ich denke, jede Designerin träumt davon, ihren eigenen Weg zu gehen und ihre eigene Kollektion rauszubringen. Ich habe während des Studiums schon Kleider für meine Freunde genäht, dann deren Freunde und so wurden es immer mehr.

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Vanessa: Wenn du sagst, du bist da reingerutscht, wie kann man sich das vorstellen? Zu einer Unternehmensgründung gehört ja schon viel dazu.

Ewa: Das war vor 6 Jahren, da habe ich angefangen Zuhause zu nähen. Dann hatte ich soviel Aufträge, dass ich es alleine nicht mehr geschafft habe. Das Chaos bei mir Zuhause war irgendwann so groß, dass mir kaum etwas anderes übrig blieb, als einen kleinen Raum zu mieten. Von dem Geld was ich verdient hatte, habe ich Maschinen gekauft, den ersten Laden gemietet und dann ging’s los. Die ersten Kunden und die ersten Kollektionen…

Vanessa: Hast du eher einen festen Kundenstamm oder sind es immer wieder neue Leute, die bei dir kaufen?

Ewa: Wenn eine Frau hier reinkommt, geht sie nie wieder raus (lacht).

Laura: Du bist ja Gründerin. Würdest du sagen, es gibt ein Patentrezept oder bestimmte Charaktereigenschaften, die man auf jeden Fall haben sollte um sein eigenes Unternehmen zu frühen?

Ewa: Es ist Glücksache und man sollte stur sein. Außerdem vertraue ich auf eine Art Energie, die immer da ist und mir den Rücken stärkt. Ich bleibe dran und bin dabei ehrlich zu mir selbst und zu meinen Leuten. Es gibt kein Rezept, einfach machen, wenn das Rad rollt, dann rollt es.

Laura: Natürlich müssen wir dir auch die Klassiker Frage stellen: Woher nimmst du deine Inspiration?

Ewa: Frauen. Manchmal ist es ein Geste oder eine Bewegung oder die Haare oder wie sie gekleidet ist. Egal, ob es ein kleines Mädchen ist oder eine Frau im reiferen Alter. Sie haben etwas an sich was die Welt bewegt. Die Frauen sind die größte Inspiration, egal ob das in Kunst, Bücher oder Liebesgeschichten sind. Alles hat mit einer Frau zu tun.

Vanessa: Stellst du dir beim designen auch immer die Frage, ob du es selbst anziehen würdest?

Ewa: An erster Stelle müssen meine Sachen mir gefallen. Ich würde niemanden hier raus lassen mit einem Kleid von Ewa Herzog, wenn ich nicht davon überzeugt bin, dass die Frau darin gut aussieht. Es muss zu ihrem Typ passen und die richtigen Stellen betonen oder kaschieren. Meine Kundinnen vertrauen mir, ich versuche den Frauen Mut zu machen neue Dinge auszuprobieren. Aber ich designe eher nicht für mich persönlich. Wenn man mich in meinen Alltagsoutfits sieht, denkt man nicht unbedingt sofort an Spitze (lacht). Aber wenn ich ausgehe oder verreise, dann ist mein Koffer voller Kleider.

Laura: Hast du mal mit dem Gedanken gespielt Männermode zu machen?

Ewa: Es reizt mich schon sehr. Ich liebe natürlich auch die Männer (lacht). Ist ja nicht so, dass ich nur Frauen liebe. Es kommt ab und zu vor, dass ich heimlich und ganz undercover was für Männer mache. Dann sage ich „Wehe du erwähnst, dass es von mir ist.“ Aber ich habe noch Lust bei der Frau zu bleiben. Aber auf jeden Fall will ich etwas für Mädchen machen.

Vanessa: Wenn du mit einer Kollektion anfängst, hast du dann von Anfang an ein Konzept im Kopf oder entwickelt sich das so im Laufe der Arbeit?

Ewa: Ich habe es immer im Kopf, zeichne und bestelle aber nebenbei schon Stoffe. Ich schau mir auch keine Trendrecherchen an, sondern ich gehe nach meinem Gefühl und frage mich, was ich selbst gerne an Frauen sehen würde. Manchmal sehen ich eine Farbe oder einen Schnitt oder eine Frau die vorbei geht, dann denke, das könnte der rote Faden in meiner neuen Kollektion sein.

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Laura: Gibt es andere gesellschaftliche oder politische Statements, die du mit deiner Mode weitergeben willst?

Ewa: Ich kaufe nur Stoffe, die in Europa hergestellt werden. Meine Spitze wird in Frankreich hergestellt und gefärbt, unter Bedingungen, die nicht umweltschädlich sind. Ich möchte nicht, dass meine Kleidung mit einem schlechten Gefühl oder schlechter Laune genäht wird. Meine Damen sind fair bezahlt und arbeiten unter guten Bedingungen. Bei mir soll gelacht werden. Wenn ich wüsste, dass ein Kleidungsstück von einem Kind genäht wurde, das dabei geweint hat, dann würde ich es niemals haben wollen. Ich will mit meiner Kleidung Liebe und Freude in die Welt bringen, kein Leid.

Vanessa: Was hältst du von Berlin als Modestandort?

Ewa: Berlin entwickelt sich. Vor 15 Jahren musste man modische Frauen noch suchen, jetzt schau ich jeder zweiten hinterher. Wenn Frauen sich mehr trauen würden, zum Beispiel eine Blume oder Feder auf den Kopf zu setzen, dann würden sich auch Designer mehr trauen. Das ist ein Kreis, der sich schließt.

Vanessa: Ich habe ja eine ganz besondere Liebe zu Spitze, du offensichtlich auch oder?

Ewa: Ja, das ist gerade so eine Phase, aber das geht vielleicht auch wieder vorbei. Ich mach das, wonach mir heute ist. Und was morgen ist, weiß ich noch nicht, aber ich freue mich drauf.

Laura: Was war bisher der schönster Moment deiner Karriere?

Ewa: Ich habe ein Kleid für ein kleines Mädchen, etwa 1 ½ Jahre alt, gemacht. Sie war so zauberhaft und so süß, wie sie sich im Spiegel betrachtet hat, man hat richtig gesehen, wie sie es genossen hat. Egal in welchem Alter: Frau ist Frau. Jede Frau hat es im Blut auch ein kleines Mädchen, das von Mode noch gar nichts mitbekommen hat.

Laura: Muss man das schneidertechnische Handwerk beherrschen, um ein guter Designer zu sein?

Ewa: Es ist ein Vorteil und erleichtert Einiges, aber ich glaube als Designer ist man geboren. Talent ist Talent. Entweder hat man es oder nicht.

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 Danke für dieses nette und offene Gespräch Ewa, bis nächsten Freitag!

 

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Vanessa Wunsch
vawunsch@gmail.com
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